Die Ausbildung der Hengste (aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie)
 
 
   

 

An der Spanischen Hofreitschule wurden und werden ausschließlich Lipizzanerhengste ausgebildet. Versuche, Hengste anderer Rassen für die Arbeit heranzuziehen, scheiterten. Die Bereiter richten sich nach den Lehren Xenophons und de la Guérinières.

Die Ausbildung der Lipizzanerhengste gliedert sich in drei Stufen:

1. Remonteschule

Diese Schule beginnt im Alter von vier Jahren, wenn die Hengste aus dem Gestüt Piber nach Wien an die Hofreitschule kommen. Die Hengste (meistens sechs bis acht) werden in den ersten Wochen in der Gruppe in der Winterreitschule frei bewegt, um sich an die neue Umgebung zu gewöhnen.
Die Hengste werden langsam mit Sattel und Zaumzeug vertraut gemacht und werden dann für acht Wochen longiert, um den Gehorsam zu verbessern, seine Muskulatur zu kräftigen und, um ihn auf das Gewicht des Reiters vorzubereiten. Die Hengste werden von den jüngeren Bereitern longiert und angeritten, immer unter Aufsicht eines Oberbereiters. Nach dem Longieren wird auf geraden Linien im lockereren Arbeitstempo vorwärts geritten.
Ziel sind drei korrekte Grundgangarten, gleichmäßige Anlehnung bei längerem Rahmen, das Geraderichten und der Gehorsam. Es wird mit Gerte aber ohne Sporen geritten.

„Reite deinen Hengst vorwärts und richte ihn gerade!“

2. Campagneschule

Der Hengst ist nach mehr oder weniger einem Jahr in der ersten Stufe bereit für die Campagneschule, wobei der Hengst das Tempo der Ausbildung bestimmt: „Nimm dir Zeit aber verschwende sie nicht!“
Die Hengste werden jetzt erfahrenen Bereitern und Oberbereitern zur Ausbildung zugeteilt. Gelernt wird Versammlung, das Reiten von Wendungen und Zirkeln in allen drei Gangarten, Selbsthaltung, Losgelassenheit, Schub aus der Hinterhand und das Aufnehmen von Gewicht auf die Hinterhand. Der Hengst lernt korrekte Stellung und Biegung im Seitengang und Tempounterschiede in allen drei Gangarten. Die Reaktion auf die Hilfen wird verfeinert. Es wird mit der Handarbeit begonnen und der Hengst wird an die Kandare gewöhnt.

Die Campagneschule nimmt zwei Drittel der gesamten Ausbildung in Anspruch.

3. Hohe Schule

In dieser Ausbildungsstufe bringt der Reiter sein Pferd zur Perfektion. In höchster Versammlung lernt der Hengst Piaffe, Passage, Galopppirouetten und Galoppwechsel von Sprung zu Sprung. Hengste, die sich dafür eignen, lernen die Schulsprünge wie Levade, Kapriole und Courbette. Der fertige „Schulhengst“ bekommt am Ende dieser Ausbildungsstufe einen weißen Schulsattel und ein Goldzeug, und wird in der Vorstellung eingesetzt.